Chronik

Kitzingen um das Jahr 1900 Die Stadt zählte etwa 8500 Einwohner, sie war schon seit geraumer Zeit (1865) an die Bahnlinie Würzburg - Nürnberg angeschlossen, die Linie Kitzingen - Gerolzhofen bestand auch seit einigen Jahren. Im Jahre 1900 erfolgte der Anschluss an die Kettenschleppschifffahrt und 1902 wurde das neue Krankenhaus eröffnet. Aus einer 1871 gegründeten Gewerbeschule hatte sich 1877 die Realschule formiert, die sich 1924 mit dem Progymnasium (Human. Gymnasium) vereinigen sollte. Im Jahre 1903 wurde die höhere Töchterschule gegründet, aus der später das städtische Mädchengymnasium hervorgehen sollte. Aus beiden entwickelte sich dann zu unserer Zeit letztendlich das staatlichen Armin-Knab-Gymnasium. Bereits zu jener Zeit wurde in Kitzingen Tennis gespielt. Dies ist beachtlich, war die junge Sportart doch gerade erst mal ein Vierteljahrhundert alt und wurde zum damaligen Zeitpunkt noch vor allem in Bade- oder Universitätsstädten Tennis gespielt und eben dort Tennisvereine aus der Taufe gehoben. Die Tatsache, dass sich Kitzingen anschickte, selbst Badestadt zu werden - ein Bestreben, dem das Luitpoldbad seine Errichtung 1914 verdankt, dem aber der 1. Weltkrieg ein Ende setzte - dürfte hier allerdings kaum eine Rolle gespielt haben. Dies macht die Initiative der damals schon tennisbegeisterten Kitzinger allerdings umso bemerkenswerter. In der „Plettinger 's Fahrschule“ gegenüber dem Finanzamt, dem Gelände, auf dem heute das Armin-Knab-Gymnasiums steht, soll es damals inmitten von Schrebergärten einen mit Ziegelmehl ausgestatteten Tennisplatz gegeben haben. Auf diesem spielten einige Aktive, die sich zu einer „Lawn-Tennis-Spielgesellschaft" zusammengeschlossen hatten. Am 1. Juli 1904 konstituierte sich aus dieser Gesellschaft ein Tennis-Spielverein und ersuchte den Magistrat der Stadt Kitzingen um Eintragung als Verein. Als Gründungsvorstand unterschieb Alfred Buchner, der sich in Kitzingen einen Namen als Heimatdichter und Zeichner gemacht hat. Richard Hasenknopf schreibt in seinen Erinnerungen, dass sich vor allem Frl. Grete Fuchs-Munk, eine der 25 Mitglieder dieses Vereins, als Triebfeder für die Gründung hervorgetan hatte. Seit 107 Jahren Tennisvereine in Kitzingen „Kitzingen war schon immer eine fortschrittliche Stadt." Dieser Satz aus der Festrede anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Tennisabteilung der Turngemeinde Kitzingen aus dem Jahre 1991 erfuhr so im Nachhinein eine zusätzliche Bestätigung, jährt sich doch heuer bereits zum 107. Mal der Tag, an dem der erste Tennisclub der Stadt offiziell gegründet wurde. Dieser Umstand, der sich im Laufe der Recherchen zu der 1994 erschienenen Chronik unerwartet herausstellte, hatte zur Folge, dass diese Chronik, ursprünglich als eine reine Chronik der Tennisabteilung geplant, etwas umfangreicher ausfallen musste.   Tennis-Spiel-Verein Kitzingen e. V. von 1904 Der neue Verein gab sich bei seiner Gründung folgende Statuten: 1. Name, Sitz & Zweck § 1. Der Tennis-Spiel-Verein Kitzingen e. V. mit dem Sitz in Kitzingen bezweckt Pflege des Sports in der Form des Lawn-Tennis. 2. Vorstand und Mitglieder § 2. Der Vorstand wird jährlich durch Beschluss der Mitgliederversammlung bestellt. Neben dem Vorstand wählt die Mitgliederversammlung zur Verwaltung des Vereinsvermögens und als Schriftführer jährlich einen Kassier. Das Recht der Vertretung und Geschäftsführung für den Verein steht beiden Organen gleichmäßig aber auch nur ihnen zu. § 3. Die Mitgliederversammlung ist jährlich mindestens einmal, und zwar regelmäßig vor Beginn der Frühjahrsspielperiode zu berufen. Die Berufung erfolgt durch schriftliche Benachrichtigung sämtlicher ortsanwesender Mitglieder. (Die Beschlüsse der Mitglieder sind durch den Kassier zu protokollieren und vom Vorstand und dem Kassier zu unterzeichnen.) § 4. Bei der Beschlussfassung entscheidet grundsätzlich die Mehrheit der Erschienenen stimmberechtigten Mitglieder. Ein Drittel der ortsanwesenden Mitglieder genügt dabei zur Beschlussfassung. Die Abstimmung hat über jeden einzelnen Fall besonders zu geschehen und erfolgt geheim. Einstimmigkeit aller Erschienenen aber ist sowohl zu dem Beschluss der Änderung der Satzungen bezweckt, wie zu dem Beschluss die Aufnahme eines Mitglieds zu vollziehen, erforderlich. 3. Mitgliederschaft § 5. Wer in den T.S.V. aufgenommen werden will, hat sich durch Vermittlung eines Mitglieds oder direct an die Vorstandschaft zu wenden. Der einstimmige Beschluss der Mitgliederversammlung bewirkt allein die Aufnahme. § 6. Der Austritt ist durch schriftliche Abmeldung bei Vorstand oder Kassier bedingt. Ausschluss setzt 3/4 Majorität der Mitgliederversammlung voraus. § 7. Als Gäste könne nur hier sich vorübergehend Aufhaltende betrachtet werden. Hiesigen Nichtmitgliedern kann eine höchstens dreimalige Benutzung des Platzes gestattet werden. § 8. Als Beitrag ist eine einmalige Aufnahmegebühr und ein jährlicher Zuschuss zu leisten. Die Höhe beider wird jährlich durch Beschluss der Mitgliederversammlung festgelegt. Mitglieder, die ihren Wohnort verlegen, kann durch Beschluss der Mitgliederversammlung die Leistung des jährlichen Beitrages erlassen werden, wodurch jedoch dieselben ihr Stimmrecht verlieren. 4. Spielregeln Als solche gelten die allgemeinen Abmachungen. Kitzingen am Main den 27. Juni 1904 Der Schriftführer (Kuno Meuschel) Der Vorstand (Alfred Buchner) Auf der ersten Mitgliederliste erscheinen 25 Personen: die Frauen E. Buchner, H. Fehrer, Kohl, Lotz, J. Maule; Frl. K. Fehrer, B. Heinrich, E. Herkert, H. Kleinschroth, G. Munk, E. Flessner, J., L. und M. Roth, M. Schröder und E. Wildhagen; die Herren Alfred Buchner, Heinrich Fehrer, R. Immler, E. Metsch, R. und Kuno Meuschel, O. Sertorius, R. Springmann und C. d. Zonca. An einigen der Namen der Mitglieder lässt sich noch heute unschwer erkennen, dass es sich bei diesem Club um eine sehr exklusive Gesellschaft gehandelt haben muss. Der gesellschaftliche Aspekt spielte neben der sportlichen Betätigung sicherlich eine bedeutende Rolle. Dieser Verdacht verstärkt sich, liest man in § 5 der Statuten, dass ein neues Mitglied nur aufgenommen werden konnte, wenn kein bestehendes Mitglied etwas dagegen hatte. Eine solche Bestimmung stellte sicher, dass man unter seinesgleichen blieb und erklärt später den unbefriedigten Wunsch der „normal sterblichen" Kitzinger nach einer Möglichkeit, Tennis zu spielen. Noch vor dem 1. Weltkrieg siedelte dieser Club in den Garten von Schulrat Conrad am nördlichen Hindenburgring über, den die Fa. Hautsch erworben hatte. Wahrscheinlich waren auch in erster Linie Mitglieder dieses Vereins beteiligt, als ab 1920 zum ersten Mal Hallentennis in Kitzingen gespielt wurde. Am Flugplatz standen nach dem ersten Weltkrieg Fliegerhallen, von denen eine ein paar Jahre lang als Tennishalle genutzt werden durfte. 1923 wurden diese Hallen abgerissen und dienten als Reparationszahlungen an die Siegermächte. Das kleine Winterintermezzo der Kitzinger Tennisspieler war damit beendet. Der Tennis-Spiel-Verein muss bis nach Ende des zweiten Weltkriegs existiert haben, da der Turnrat der Turngemeinde den Mitgliedern des Vereins von 1904 gestattete, auf dem Platz der Turngemeinde an der Florian-Geyer-Halle zu spielen. Einige Spieler dieses Vereins schlossen sich dann auch der Tennisabteilung an, so zum Beispiel Richard Buchner, der Sohn von Alfred Buchner, der dann auch einige Zeit lang als Senior aktiv in den Mannschaften der Tennisabteilung mitwirkte. Den Platz neben dem zerstörten Deusterschloss gab es zwar noch anfangs der 50er Jahre, er lag in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg allerdings brach und diente nur noch als Bolzplatz für die Jungs aus der Umgebung. Als das eine Spielfeld an der Florian-Geyer-Halle für die stetig wachsende Mitgliederzahl zu knapp wurde, erwog die Tennisabteilung 1949 sogar, den Platz am Hindenburgring noch einmal herzurichten sollte, entschied sich aber dann doch für den Neubau eines 2. Platzes auf der Anlage an der Bundesstraße 8. Kitzingen vor 1930 1911 wurden mit den „Vaters Lichtspielen" im früheren Hotel Schwan das erste Kino der Stadt eröffnet. 1913 wurde die Stadt an das elektrische Stromnetz angeschlossen und im Jahr darauf das „Prinzregent-Luitpold-Bad" (Volksbad) eröffnet. 1917 wurde der Flugplatz angelegt, der 1935 zum Fliegerhorst der Luftwaffe werden sollte. 1922 wurde an der Bundesstraße 8 mit dem Bau der ersten Häuser der (heutigen) Siedlung begonnen, um Wohnraum für die durch den ersten Weltkrieg aus ihrer ursprünglichen Heimat Vertriebenen zu schaffen. Auch das Aufkommen des Nationalsozialismus ging nicht spurlos an Kitzingen vorüber, waren doch 4,5% der gesamten Einwohnerschaft jüdischer Abstammung. Anhänger und Gegner der braunen Bewegung stießen hier damals sehr heftig aufeinander, bevor mit Hitlers Machtübernahme 1933 die Leidenszeit der Kitzinger Juden begann. Sport in der Turngemeinde Im Jahre 1897 hatte die Turngemeinde an der Repperndorfer Straße für 10200 Mark einen Acker gekauft und auf einem Teil dieses Grundstücks einen Sommerturnplatz errichtet. 1925 beschloß der Turnrat dann, das ganze Grundstück zu einem modernen Sportplatz umzubauen und mußte hierzu noch für 13000 Mark den nebenan liegenden Wohltätigkeits­garten erwerben. Obwohl im Plan zu dieser Sportanlage ein Tennisfeld vorgesehen war, konnte dieses jedoch nicht errichtet werden, da der Bau des Hauptsportfeldes zu große Mittel verschlungen hatte. Um den Bau einer Rundlaufbahn zu ermöglichen, mußte 1927 zusätzlich von den Anliegern an der Talstraße das benötigte Land unter schweren finanziel­len Opfern erworben werden. Der Turnplatz konnte einschließlich der Laufbahn fertiggestellt werden und seine Einweihung wurde 1930 mit einem großen Turn- und Sportfest gefeiert. Im selben Jahr fand auch die Weihe des Gedenksteines statt, der an die im ersten Weltkrieg gefallenen 28 Mitglieder erinnern sollte. Dieses Denkmal mußte bekanntlich vor einigen Jahren nach einer erneuten Erweiterung der B8 auf das TGK-Gelände an der Kaltensondheimer Straße auswandern. Vorgeschichte der Tennisabteilung In den Jahren nach dem ersten Weltkrieg hatten sich die Vereine nach und nach wieder ihren Aufgaben zugewandt. Zu groß waren die Nachwirkungen und die Personenverluste des Krieges, als hätte man dort weitermachen können, wo man aufgehört hatte. In der Turngemeinde Kitzingen trainierten zuerst wieder die Leichtathleten (1919), die Gymnastikriege und die Faustballer (1920). Letztere zogen sonntags per Rad los, um die Vereine des Turngaues Kitzingen zu besuchen, die bereits den Wettspielbetrieb wieder aufgenommen hatten. 1921 wurde eine Schwimmriege gegründet. Unter der Bedingung, dass dem Verein keine Kosten entstehen dürften, wurde 1927 erstmals eine Handballmannschaft zu den Verbandsspielen gemeldet. 1928, im Jahre des 80-jährigen Stiftungsfestes, wurde unter der Federführung der Herren Wirsching, Huppmann und Richard Hasenknopf eine Fechterriege ins Leben gerufen. Ende der zwanziger Jahre meldeten sich nun auch die verheirateten Frauen. Sie wollten sich auch irgendwie betätigen. In Erzählungen steht zu lesen, daß die Familien Hasenknopf, Huppmann und Dr. Gassner jedes Wochenende gen Osten fuhren und meist beim „Michala" landeten. Die Männer widmeten sich dabei meist beruflichen und politischen Themen. Die Entwicklung der NSDAP wurde kritisiert und die Vorträge einer Frau Mendt fanden Resonanz. Bei den Frauen war natürlich das „Tagesgetratsch" im Mittelpunkt, aber auch über Max Schmeling oder William Tilden wurde geredet und was in Zukunft in Sachen Sport zu erwarten sei. Man fand, dass die Ball spielenden Vereine große Unterstützung verdienten, weil sie die Jugend gesund erhielten und von schädlichen Einflüssen abhielten. Auch Sportarten, die bisher den vermögenden Kreisen vorbehalten waren, wie Reiten, Golf oder Tennis, sollten einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Insbesondere die Damen träumten von einer sportlichen Betätigung, der sie am Wochenende nachgehen konnten. Man war sich einig, dass man bei der TG Kitzingen anfragen wollte, ob eine Möglichkeit zum Tennisspielen geschaffen werden könnte. Dieser Vorschlag fand ein offenes Ohr beim damaligen Vorstand Fetzer und dem Turnrat. In der Turnratssitzung am 26. Februar 1931 regte der 1. Vorsitzende Müller die Anlage eines Tennisplatzes an, da „seiner Meinung nach ein großes Interesse für das schöne Tennisspiel besteht". Stadtbaumeister Meichinger hatte bereits einen zeitgemäßen, allen Anforderungen gerecht werdenden Anlageplan ausgearbeitet und erntete hierfür den Dank des ersten Vorsitzenden. Nach vorsichtiger Schätzung sollten sich die Kosten für dieses Projekt auf etwa 3000 Mark belaufen. Dieser für damalige Verhältnisse große Betrag konnte natürlich nicht ohne weiteres beschafft werden, zumal der Vereinskasse eine solche Belastung nicht zugemutet werden konnte. Turnrat Ley beendete die eineinhalbstündige teilweise hitzige Debatte mit folgendem Antrag, der mit 9 zu 2 Stimmen angenommen wurde: 1. den Pächtern der Wohlfahrtsgärten an der Talstraße (Gelände der jetzigen Esso-Tankstelle an der Bundesstraße 8, Anmerkung der Redaktion) ist zum 1. März 1931 vorläufig zu kündigen. Die endgültige Kündigung hat bis spätestens 1. April zu erfolgen. 2. der 1. Vorstand Müller und Herr Stadtbaumeister Meichinger werden eine tragbare Lösung der finanziellen Frage erstreben.   Die KITZINGER ZEITUNG schreibt am 28. März unter der Überschrift: „Die Turngemeinde von 1848 baut einen Tennisplatz": „Laut Beschluss der letzten Turnratssitzung wird die Turngemeinde von 1848 auf ihrem vereinseigenen Gelände an der Talstraße einen Tennisplatz errichten. Mit deren Ausbau wird sofort begonnen werden, so dass bereits im Mai die neue Anlage spielfähig ist. Bereits über 50 Damen und Herren haben sich in die Mitgliedsliste der Tennisabteilung eingetragen." In der Turnratsitzung vom 23. März 1931 wurden die Weichen dann gestellt. Die Turngemeinde würde der Tennisabteilung den Baugrund zur Verfügung stellen, ferner das Projekt Tennisplatz mit Backsteinen im Wert von 640 Mark unter der Voraussetzung bezuschussen, dass die Tennisspieler für den Rest der Finanzierung und die anfallenden Kosten für die Instandhaltung selbst aufkommen würden. Dies sollte hauptsächlich durch die Einführung eines „Sonderbeitrages" für die etwa 60 Gründungsmitglieder geschehen - eine Einrichtung, an die die Tennisabteilung also schon von Anfang ihres Bestehens gewöhnt ist. Der Erlös eines Damengymnastikabends, den Prof. Müller im Kolosseum arrangiert hatte und bei dem Richard Hasenknopf den Klavierpart übernahm, sollte ebenso dem Bau des Tennisplatzes zugute kommen. Außerdem überließ die Turngemeinde 8 Jahre lang seinem jüngsten Spross die Beiträge der neu gewonnenen Mitglieder. Die Herren Feldhäuser, Meichinger und Hasenknopf wurden schließlich beauftrag, die Gründung der Tennisabteilung in die Wege zu leiten. Bereits Ende März wurde mit den Erdarbeiten begonnen. Am 9. April waren laut Kitzinger Zeitung diese Arbeiten fast beendet, so dass „in Bälde mit der Auflage der Unterschicht des eigentlichen Tennisfeldes begonnen werden" konnte. „Auch die Oberschicht wird in kurzer Zeit dann fertig sein, so dass in den ersten Wochen des Monats Mai der Platz seiner Bestimmung übergeben werden kann. Damit wird für das Kitzinger Sportleben etwas geschaffen, was man bisher sehr vermisste." Die Gründungsversammlung der jüngsten Abteilung des Vereins fand am Dienstag, dem 28. April 1931 im Cafe Wagner statt. Als erster Vorstand ging aus der Wahl Herr Bankdirektor Völker hervor, Sportwart wurde Richard Hasenknopf. Fortsetzung folgt